Gut 6000 pumpen sich das Geld fürs Studium

Wie Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) frohgemut in einer gestrigen Pressemitteilung verkündet, nehmen bereits 6000 Studierende den Bildungskredit der KfW in Anspruch.
Ist das tatsächlich eine freudige Nachricht? Nicht wirklich, möchte ich meinen, vor allem, wenn solche Aussage getroffen wird:
Ein Studienkredit schafft größere finanzielle Unabhängigkeit und bietet eine Grundlage für eine verlässliche Planung des Studiums. (Zitat Annette Schavan aus der PM)

Vielleicht habe ich aber auch nur was missverstanden, und der Aufbau eines Schuldenberges zur Finanzierung des Studiums bedeutet in Wahrheit finanzielle Unabhängigkeit?
Davon, dass Universitäten besser mit Personal und Mitteln ausgestattet werden, damit Studierende auch immer zügig die Seminare etc. belegen können, die die Prüfungsordnung vorschreibt, habe ich noch nichts gelesen.
Genausowenig drang glücklich Nachricht an mein Ohr, dass ebenso vehement in die Schaffung bzw. den Ausbau einer Stipendienkultur investiert wird, wie in die Ausgestaltung der verschiedensten Kreditangebote.
Hmm, vielleicht werden aber Bafög-Empfänger jetzt doch von den Studiengebühren befreit? Oder werden die Studiengebühren wieder abgeschafft? Nein? Komisch …

[Pressemitteilung vom 18.07.2006: Nach drei Monaten nutzen bereits 6.000 Studierende die neuen KfW-Studienkredite]

KfW verschiebt Studienkreditprogramm bis 2006

Der ursprünglich für kommendes Wintersemester vorgesehene Start des Studienkreditprogrammes der Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW, wird voraussichtlich bis zum Sommersemester 2006 verschoben.
Man scheut eine wie auch immer geartete Verquickung mit dem Bundestagswahlkampf, in dem sicher auch Themen wie Studiengebühren und/oder Abschaffung des Bafög behandelt werden (müssten).

Ich kann das zwar nicht ganz nachvollziehen, schliesslich ist die Einführung von Studiengebühren Ländersache, wie alle mitbekommen haben sollten, und die Länder lassen sich vom Bundestagswahlkampf bestimmt nicht aufhalten, so dass eine Planungssicherheit bei der Finanzierung für einige Studenten/-innen sicher willkommener wäre, aber sei’s drum:

Der Studienkredit, so er denn aufgelegt wird, steht allen Hochschülern/-innen zur Verfügung, er wird für maximal 10 Semester + 2 Examenssemester gezahlt und beträgt im Höchstfalle 650 Euro monatlich.
Macht im schlimmsten Falle 46.800 Euro Gesamtkredit zzgl. 5-6 Prozent Zinsen aus, die in maximal 25 Jahren zurückgezahlt werden dürfen. Das wären dann 156 Euro pro Monat, zzgl. der noch nicht eingerechneten Zinsen.
Hört sich im ersten Moment gar nicht so arg an. Aber für 25 Jahre einen Kredit am Hals zu haben, oder lieber zügiger, aber mit wesentlich höherer monatlicher Belastung abzuzahlen, das ist eine Hypothek, mit der einem der Berufsstart schon ein bisschen verbittert werden kann, finde ich.
Ich würde jedenfalls lieber neben dem Studium arbeiten gehen. 😉 Ist auch der Berufspraxis förderlich.